„Schadenfreude“ und „German Angst“ [1]

Was sich in anderen Sprachen, vor allem im Englischen, an deutschen Fremdwörtern in den vergangenen hundert Jahren eingebürgert hat, gereichte Deutschland nicht selten zu zweifelhaftem Ruhm. Schadenfreude, German Angst oder auch Blitzkrieg – alle Begriffe sind in ihrer englischen Bedeutung mit negativen Konnotationen versehen und schreiben den Deutschen abfällige bis fruchteinflößende Eigenschaften zu. Neben dem ebenfalls in den angelsächsischen Sprachschatz eingeflossenen Kindergarten könnte nun mit der Energiewende wieder ein positiv besetzter Begriff auf die weltweite Walz gehen. Denn er steht in seiner ihm bereits Anfang der 1980er Jahre durch das Öko-Institut zugewiesenen Bedeutung[1] für die Abkehr von Kernkraft und fossiler Energiegewinnung und die Hinwendung zu regenerativen Energien. Dadurch sollte eine Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und fossilem Energieverbrauch möglich werden, und die Ausbeutung des Vorrats an fossilen Energieträgern für die kurzfristige Energieerzeugung sollte beendet werden.

Was sich die schwarz-gelbe Bundesregierung also kurz nach dem verheerenden Tsunami in Japan und der darauf folgenden Reaktorkatastrophe in Fukushima im Frühjahr 2011 in Windeseile auf die Fahne geschrieben hatte, war im Prinzip alter Wein in neuen Schläuchen. Bereits die Vorgängerregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte die hierfür entscheidenden Schritte eingeleitet. So sollten als eine der wichtigsten Maßnahmen sämtliche Atomkraftwerke in Deutschland bis 2020 abgeschaltet werden. Hierzu war im Jahr 2000 mit den vier großen Energieversorgern (EnBW, eon, Vattenfall und RWE) ein entsprechender „Atomkonsens“ getroffen worden. Schwarz-gelb jedoch hatte im Herbst 2010, also ein knappes halbes Jahr vor Fukushima, die Laufzeiten der Kernkraftwerke zwischenzeitlich zum Teil wieder erheblich verlängert. Die von Merkel ausgerufene „Energiewende“ war also der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg.


[1] Bossel, Hartmut u.a., (1980), „Energiewende – Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran“, 1. Auflage, S. Fischer Verlag, Frankfurt

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s