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FOX NEWS erklären Deutschland zum Sonnenparadies

Von Sascha Röber.

Die vergangene Woche war einmal wieder recht bemerkenswert. Nicht in derselben Art bemerkenswert wie die Woche davor, als vor allem Peter Altmaier mit seinen unausgegorenen Vorschlägen zur Strompreisbegrenzung eine hitzige Debatte entfacht hatte. Denn die letzte Woche könnte am besten damit beschreiben, dass ich mit offenem Mund ein Video ansah, auf das ich über einen Tweet von @EnergiewendeGER aufmerksam gemacht wurde. Es wurde mit den Worten „Fox News: Solar power only works in Germany because Germany is a tropical paradise (…)“ begleitet und bezog sich auf einen Artikel im US-Blog grist, das den Klimawandel sehr kritisch begleitet.

Aha! Deutschland ein tropisches Paradies? Nun ja, der Klimawandel hat Deutschland in den vergangenen 20 Jahren bereits öfter in eine Region mit teils tropischen Wetterverhältnissen verwandelt. Aber konnte das damit gemeint sein?

Natürlich: FOX News sind, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, immer mit großer Vorsicht zu genießen. Der in den gesamten USA zu emfpangende Sender FOX gehört zur News Corp-Gruppe und somit Rupert Murdoch. Hätte die BILD-Zeitung einen eigenen Fernsehkanal, wären die darüber verbreiteten BILD News sicherlich den FOX News sehr ähnlich: Reißerisch aufgemacht, äußerst tendenziös, (seeeehr) rechts-konservativ, und mit der Wahrheit nimmt man es dort auch nicht immer so fürchterlich ernst. Aber damit nicht genug: Man lässt nicht nur gerne einmal dreizehn gerade sein, wenn es dem politischen Weltbild dient, sondern offensichtlich ist man sich auch nicht zu schade, aus sogenannten „Fakten“ die abenteuerlichsten Schlüsse zu ziehen. Es ist ja auch einfach: Deutschland ist dem Fox-News-Zielpublikum vermutlich größtenteils ferner als der Mond. Und da muss Deutschland schon mal als tropisches Paradies herhalten.

Aber worum geht es darin eigentlich? In dem dreieinhalbminütigen Beitrag wird zunächst des Senders Intimfeind Präsident Barack Obama in kurz aneinandergereihten Nachrichtensequenzen gezeigt, wie er bspw. die Verdoppelung der Investitionen in saubere (sprich: regenerative) Energien fordert und feststellt, dass diese immer billiger werden. Die darauf folgenden beiden Nachrichtenmoderatoren jedoch behaupten mit fast betroffen wirkender Miene, dass die Zukunft der erneuerbaren Energien trübe aussähe und das, obwohl Brack Obama so viele Milliarden in diese Industrie gepumpt habe. Der Aufmacher: Die Subventionen für die Erneuerbaren trockneten aus, und weil diese Industrie auf diese Mittel angewiesen sei, sei ihr Niedergang unausweichlich. Um das zu veranschaulichen, wird Kollegin Shibani Joshi als vermeintliche Expertin interviewt, die erklären soll, warum die Erneuerbaren – allen voran die Solarindustrie – nun dem unausweichlichen Untergang geweiht sei. Laut ihren eigenen Nachforschungen, so Joshi, sei nur 1/10 eines Prozents (also ein Promill) des US-Stroms aus solarer Energie erzeugt – und das, obwohl viele Milliarden in diese Industrie geflossen seien. Der Output stehe als0 in keinem Verhältnis zum Aufwand – eine Argumentation, die uns hierzulande durch ständige Wiederholungen unseres Bundeswirtschaftsministers Rösler bestens bekannt ist. Um dies zu illustrieren, werden im Beitrag als nächstes die Namen verschiedener Solarfirmen eingeblendet, die vor kurzem pleitegegangen sind. Die kurze Liste reicht von sehr prominenten Pleiten wie Solyndra (USD 535 Mio. an Subventionen erhalten) und endet bei Spectra Watt (mit einer halben Million Dollar). Während Joshi im nächsten Nebensatz kurz zugesteht, dass auch die Öl- und Atomindustrie Subventionen erhalten haben, – ohne natürlich die horrenden Summen dabei zu nennen, – habe die Solarindustrie nie beweisen können, dass sie auf eigenen Füßen stehen könne. Statt sich weiterhin auf die Solarindustrie zu konzentrieren, solle man doch viel besser „Nat Gas“ (Erdgas) in den Fokus rücken – die „Fracking“-Diskussion lässt grüßen. Das reiche für hunderte von Jahren und schaffe Arbeitsplätze. Plötzlich stellt der alte Herr in der Dreierrunde die Frage, wie es denn Deutschland geschafft habe, die Solarenergie so effektiv und günstig zu nutzen und sagt, „it’s working out great for them“ (bei denen funktioniert das toll).

Und dann Shibani Joshis Antwort: „Das ist ein kleineres Land und die haben dort einen Haufen Sonne. Sie haben viel mehr Sonne als wir. (…) Für Kalifornien ist das [Solarenergie] eine tolle Lösung, aber hier an der Ostküste wird das einfach nicht funktionieren.“ Wie bitte? Joshi ist eine sehr seriös wirkende Dame. Sie wirkt fachkundig, gebildet und von dem, was sie sagt, scheint sie auch voll überzeugt zu sein. Was auch immer sie dazu bewegt haben mag, solch einen Blödsinn von sich zu geben: Auf Fakten beruhen diese Aussagen ganz sicherlich nicht.

FAKTENCHECK

Shibani Sona Joshi

Jahrgang 1975, ist ein Medien-Vollprofi. Laut wikipedia.com, wo nachzulesen ist, dass sie vor allem dafür bekannt sei zu behaupten, Deutschland bekomme viel mehr Sonne als die USA ab, hat vor ihrem Job bei Fox für die Nachrichtenagentur Reuters sowie für die Times of India gearbeitet. Sie hat ein MBA der Harvard Business School und hat auch sonst diverse akademische Ausbildungen genossen. Ihr Mann ist Rahul Advani, ein Direktor der Firma Energy Capital Partners, eine Private-Equity-Boutique mit dem Investitionsschwerpunkt im Bereich Energie. Es gibt zwar ein paar Investitionen im Bereich der Erneuerbaren, die meisten Investitionen – soweit auf der Firmen-Website ersichtlich – wurden bislang jedoch im Bereich der fossilen Energien gemacht. Ganz weit vorne: Ölsand und… ja: Erdgas! Na, wenn das kein „Fracking“-Zufall ist…!

Solarstrahlung USA : Deutschland

Der Tweet, der mich auf diese Geschichte aufmerksam gemacht hatte, verwies auf den satirischen Beitrag des US-Blogs grist. Autor Jess Zimmerman, der sich über den von Joshi verbreiteten Nonsens satirisch amüsierte, hatte zur Untermauerung seiner Gegenthese eine Übersicht der Sonneneinstrahlung in den USA, Spanien und Deutschland in seinen Beitrag eingearbeitet. Weil sie schlecht zu lesen ist, habe ich sie mir beim National Renewable Energy Laboratory, einer Behörde des US-Energieministeriums, noch einmal besorgt. Wer sie sich ansieht, erkennt – wenig überraschend – auf einen Blick, dass die USA in fast sämtlichen ihrer Regionen zum Teil massiv höhere Einstrahlungswerte aufweisen als Deutschland. Nur Alaska hat zum Teil etwas weniger Sonne als wir…

Et voilà (bitte auf das Bild klicken):

PV Map US - Germany - Spain (by NREL)

Zur guten Letzt:

Solyndra: In der Tat hat die 2011 insolvent gegangene kalifornische Firma 535 Mio. $ an Staatsgarantien erhalten, und zwar aus einem Programm, das 2005 – unter Barack Obamas Vorgänger George W. Bush – verabschiedet worden war. Die Garantiesumme für Solyndra stellt dabei einen Bruchteil von 1,3% dar.

So sind diese wenigen Minuten, die dieser Beitrag in den Fox News dauerte, ein weiteres Beispiel dafür, mit welch hanebüchenen Unwahrheiten und Märchen Big Oil & Co. die Tatsachen verdrehen, verschweigen oder verleugnen. Das ist in den USA nicht anders als hierzulande.

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Ein Kommentar zu “FOX NEWS erklären Deutschland zum Sonnenparadies

  1. Durch Zufall bin ich auf diesen Artikel gestoßen. Was bitte gibt’s an Fox News bemängeln. Wie man auf der Karte zur Solarstrahlung sehr schön sehen kann, hat Fox News mit dem zitierten Satz: »Solar power only works in Germany because Germany is a tropical paradise (…)« doch vollkommen recht.

    Das ist ja auch der Grund, weswegen Deutschland mit Solarpanelen zugepflastert wird, während nordische Länder wie Spanien und Italien, von den US ganz zu schweigen, die Förderung gekürzt, bzw. ganz eingestellt haben.

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