Seehofers Stromtrassen-Streit: Boomerang für die Erneuerbaren?

Der Netzbetreiber tennet hat den geplanten Verlauf der Gleichstromtrasse Sued.Link in der vergangenen Woche bekanntgegeben [Link]. Dabei steht die genaue Route noch nicht fest. Nach Angaben von tennet soll dies als Vorschlag gesehen werden, der nun mit Betroffenen zu besprechen sein wird.

Hochspannungsmast

Hochspannungsmast. Foto: (c) Miachel Voß / pixelio.de

Die Trasse soll von Norden durch mehrere Bundesländer auch bis nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurt (Franken) führen. Kaum veröffentlichtlicht, schießt Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer aus allen Rohren gegen die Stromleitung. Er stellt sie in Frage und will sie auf ihre Machbarkeit und Notwendigkeit hin nochmals überprüfen lassen [Link]. Dabei stellt er vor allem die Beteiligung der von der Trasse besonders betroffenen Bürger in den Vordergrund.

Genau dieses Argument nutzten in den vergangenen Jahren insbesondere die Vertreter der Erneuerbaren Energien: Ohne die breite Beteiligung der Bürger sei eine Energiewende im Sinne der Abkehr von der atomar-fossilen Stromerzeugung nicht möglich. Nun scheint es so, als könne die Bürgerbeteiligung für die Erneuerbaren zum Boomerang werden. Denn die neuen Stromtrassen würden lt. Tennet benötigt, um den Strom von Deutschlands Nord- und Ostseeküsten (inklusive Offshore-Windstrom) in den stark industrialisierten Süden der Republik zu transportieren.
 Wie sehen Sie das? Hat Seehofer recht? Gibt es Alternativen zu den neuen großen Stromtrassen? Sollen sie gegen den Widerstand der Bürger gebaut werden? Oder wäre es nicht doch besser, Bayern ließe seine Atomkraftwerke weiterlaufen, um die neuen Stromtrassen zu verhindern?
 Als kleine Zusatzlektüre hier noch ein Link zur Regierungserklärung der Bayrischen Staatsregierung unter Horst Seehofer vom 28. Juni 2011.
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3 Kommentare zu “Seehofers Stromtrassen-Streit: Boomerang für die Erneuerbaren?

  1. Natürlich ist es keine Option, dass Bayern seine Atomkraftwerke weiterlaufen lässt. Jeder Politiker, der entsprechende Gesetzesänderungen heute offen fordert, besiegelt das Ende seiner Karriere. In der Tat kann Seehofers – offenbar aufgrund populistischer Erwägungen erhobene – Forderung nach Stopp der Stromtrassenplanung zu einem „Boomerang für die Erneuerbaren“ werden. Und zwar für dezentral strukturierte Energietechnologien, hier für Wind-onshore weitab der Küsten, für PV und für Biomasse. Ein Ministerpräsident, der Stromtrassen ablehnt und bei Windenergieanlagen extrem große Abstände zur Wohnbebauung beschließen lässt, muss sich fragen lassen, welche – zentrale oder dezentrale – Stromerzeugungstechnologie es denn in Zukunft sein darf, wenn er denn zum Atomausstieg wirklich steht. Auf die Antwort dürfen wir gespannt sein.

    „Mehr Netze!“ fordern die Befürworter zentraler Strukturen. „Mehr Speicher!“ müsste es mindestens genauso laut heißen, wenn man bürgernahe Strukturen statt Großtechnologie bei einem hohen Anteil von EE-Strom erreichen möchte.
    Wobei das Verhältnis zwischen Netz- und Speicherausbau wesentlich komplizierter ist als dass man es auf einen Satz beschränken könnte.

    Als jemand, der den Weg zu 100% Erneuerbaren Energien auch als einen sehr wünschenswerten Weg zu mehr „Autarkisierung“ / Demokratisierung der Gesellschaft sieht, begrüße ich jedenfalls die Belebung der Diskussion, in welchem Verhältnis zentrale zu dezentralen Technologien stehen sollten. Es bleibt spannend…

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